Scheitern - und der Vorteil von Plan B

Letzte Woche kam der Begriff des "Scheiterns" in meine Welt (der Anlass dazu siehe Nachtrag). Und ich sage tatsächlich "er kam in meine Welt", da ich feststellen muss, dass er kein gängiger Bestandteil meines Sprachgebrauchs ist. Und das ist er nicht, weil ich nicht in "Scheitern" denke.

 

Was braucht es denn, um zu scheitern? In meinem Verständnis eine klare Zielformulierung und das Fehlen von Alternativen. Eine Starke Fokussierung auf ein vordefiniertes Ergebnis. Wenig Offenheit für Chancen, die ein anderes Ergebnis eventuell auch bergen kann.

 

Mit dem Wort "Scheitern" werden oft negative Gefühle verbunden, wie Trauer, Resignation oder Wut. Meist keine Gefühlszustände, aus denen auf den ersten Blick oder direkt etwas Neues oder Positives erwachsen kann.

Nun leben wir in einer Welt, die von Innovation, technischem Fortschritt und hohem Tempo geprägt ist. Immer mehr Menschen wechseln ihre Jobs häufiger und Beziehungen dürfen andere Formen annehmen. Arbeit wird neu definiert, es geht mehr und mehr um Agilität. Ein Umfeld, in dem wir nach älterem Verständnis eigentlich häufiger, vielleicht sogar ständig scheitern. Und ein Umfeld, in dem wir nach neuerem Verständnis lebenslang "lernen" können.

Hören Sie bitte mal kurz in sich rein? Was fühlen Sie, wenn Sie ans "Scheitern" denken? Mir wird es etwas eng in der Magengegend. Und wie fühlt es sich bei dem Begriff "Lernen" an? Ich denke an Wachstum, Neues, Chance.

Wenn wir in einer Welt leben, in der wir eigentlich ständig "scheitern", könnten wir uns vielleicht darin üben, in "Lernen" zu denken. Jetzt nur die Frage: wie?

  • Denken Sie mehr in Visionen, denn in messbaren Zielen. Wie soll sich etwas anfühlen? Welchen Sinn soll es haben oder welchen Zweck erfüllen? Hat man eine Vision, hält man kleinere und größere Rückschläge meist besser aus. Visionen lassen uns offen bleiben für andere Wege und Möglichkeiten, die sich auftun können.
  • Freuen Sie sich über die Erfahrungen, die Sie machen. Erfahrungen sind ein Prozess des Lernens. Und mit Begeisterung lernt man, gemeinhin bekannt, deutlich besser.
  • Denken Sie immer mal wieder über Plan B nach. Was würde ich tun, wenn ich meinen Job verliere? Wie würde ich mein Leben bewerkstelligen, wenn meine Beziehung in die Brüche geht? Kreieren Sie einen möglichen Plan B, nicht weil Sie ihn zwingend brauchen werden, sondern weil er Ihnen ein Gefühl von Entspannung geben kann. Denn egal wie, es wird weitergehen können. So relativieren Sie die Angst vorm Scheitern und erweitern Ihre Wahrnehmung von Möglichem.

Scheitern scheint also - wie vieles im Leben - eine Frage der Perspektive zu sein. Wie lautet denn die Ihre aufs Scheitern?

Herzlichst,

Ihre Jessica Calaminus

Nachtrag: Der Begriff des Scheiterns kam in Form einer Lesung in meine Welt. Dr. Sebastian Kunert, Autor und Herausgeber, stellte sein Buch "Failure Management - Ursachen und Folgen des Scheiterns" in Form einer interaktiven Lesung vor. In diesem Buch geben verschiedene Autoren aus Wissenschaft und Praxis Einblick in ihre Erfahrungen und Perspektiven . Vielen Dank für die Inspiration, das Buch ist bereits bestellt.

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